Fundstücke

Gesehen, genossen, getroffen, gelesen, gehört, gegessen ...

 

Ausspannen? Kann, mag und muss ich regelmäßig. Im Normalfall aber sind meine Antennen auf Empfang - berufsbedingt als Journalistin mit einem Spektrum von Familienthemen bis Hochkultur, privat als neugieriger Typ mit dem Credo: "Das Leben ist wie ein Buch, und wer nicht reist (oder unterwegs ist), liest nur ein wenig davon".

Im Biosphären-Reservat Spreewald führen "Fließe" statt Straßen zu vielen Häusern und Höfen. Auch Familie Kilka – Vater, Mutter und vier Kinder – kommt nur per Kahn auf ihre Insel in Lehde bei Lübbenau. Für Gäste ihrer zwei Ferienwohnungen ist der ebenfalls das einzige Verkehrsmittel. Im Erdgeschoss eines altersdunklen Holzhauses erwartet sie ein freundlicher Wohn-Essraum mit offener Küche und Kachelofen, daneben ein behagliches Schlafzimmer, eingerichtet mit schlichten Möbeln auf hellem Dielenboden, dekoriert mit liebevollen Accessoires. Tagsüber kann man die Umgebung mit einer organisierten Bootstour oder beim Paddeln auf eigene Faust als Ausflügler kennenlernen. Zurück auf dem Mutschenhof ist Tiefenentspannung angesagt – inmitten Natur pur, begleitet von Katzen, Hündin Wanda, Hühnern und Blonde d'Aquitaine-Rindern, die Sebastian Kilka züchtet.

Mutschenhof, 03222 Lübbenau/Lehde, Tel. 03542/45816, www.mutschenhof.de

Rosa Kirschblüten, weiße Magnolien, knallgelber Löwenzahn: Endlich frühlingt es wieder mit jeder Menge Naturschönheiten. Also nichts wie raus und "Luft einatmen. Hirn einschalten. Alles hinter sich lassen", so Björn Kern in seinem Buch "Im Freien". Denn: "Die Zauberwelt ist nah, unmittelbar und stark" weiß der in Berlin und im Oderbruch lebende Autor aus Erfahrung. Deshalb lässt er sich regelmäßig von seinem "Nahweh" leiten und folgt seiner "Sehnsucht, mit der Welt da draußen wieder verbunden zu sein." Dazu braucht es weder eine 2000 Euro-Ausrüstung noch Trips nach Patagonien oder in die Rocky Mountains. Sondern nur Spaziergänge oder eine Radltour. Unterwegs warten Pflanzen und Tiere in Landschaften, die die Augen öffnen und staunen lassen. Björn Kern nennt solche Momente "Kipppunkte, die man benötigt, um aus seinen Gewohnheiten zu finden". Und um wieder zu wissen, "dass es uns in Wirklichkeit vielleicht doch ganz gut geht."

"Im Freien. Abenteuer vor der Tür" von Björn Kern (Fischer, 14,99 €)

Unterhalb der XXL-Fenster breitet sich bis nach Ehrwald ein Moor aus. Dahinter ragt behäbig das Zugspitz-Massiv empor: Diese Aussicht hat in Lermoos nicht nur das Restaurant 180 Grad zu bieten. Sondern auch ein Teil der 19 Appartements und Wohnungen, die im Hauptgebäude sowie in Chalets am Hang liegen. Für Entspannung sorgt im Wellnessbereich des PURE ein kleiner Außenpool mit Panoramablick, an den sich ein Ruheraum, eine Sauna und ein Dampfbad anschließen. Eine süße Sünde wert ist die Patisserie von Theo Hofherr, der sich mit dem Kauf des Restaurants einen Traum erfüllt hat. Pralinen, die verlockend in einer Vitrine liegen, wälzt er in feingemahlenen, jungen Tannenspitzen, pulverisierter Roter Beete oder zarten Blütenblättern.

PURE, Silbergasse 1, A-6631 Lermoos, Tel. 0043/5673/20930, www.pure-lermoos.com

Früher lag neben den Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen eine Brache. Jetzt wird hier in einem großen Neubauprojekt fleißig gewerkelt. Im Dezember 2018 wurde der erste Abschnitt fertig: die Moun10 Jugendherberge. In der Lobby und Lounge, zu der auch eine kleine Bar und ein Shop für stylische Souvenirs gehört, könnten Gäste auf bunten Sesseln und Polster ihre Zeit verlümmeln, lesen und ins Gespräch kommen. Für alle ab 16 gibt es im vierten Stock eine Sauna, die zur Bergseite verglast ist. Nebenan kann man mit dem gleichen, grandiosen Ausblick im Ruheraum auf Liegestühlen, in Hängesesseln oder am Kachelofen relaxen. Gewohnt wird in ingesamt 54 Wohlfühlzimmern, die schnörkellos-ästhetisch mit Möbeln als hellem Holz eingerichtet sind, zwei bis sechs Betten und alle eigene Bäder haben.

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Moun10, Lagerhausstrasse 2, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel. 08821/754290, www.moun10-garmisch-jugendherberge.de

Zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald liegt DAS KRANZBACH mit Bilderbuch-Bergblick in einem stillen Hochtal. Im nahen Wald hat sich das ****Superior-Hotel jetzt ein Architektur-Highlight gegönnt: Auf einer Lichtung zwischen Heidelbeersträuchern, Gräsern und Bäumen wächst ein rechteckiges Gebäude quasi aus dem Boden hervor: das Meditation House by Kengo Kuma. Ziel des japanischen Star-Architekten war größtmögliche Harmonie mit der direkten Umgebung. Dafür sorgen bodentiefe Glasflächen als Wände. Über ihnen liegt eine zweite Schicht aus 1.550 raffiniert verschachtelten Weißtanne-Schindeln. Im großen Meditationsraum fühlt man sich dank dieser Kombination genauso frei wie geborgen. Der Besuch des Meditation House ist an einen Aufenthalt im KRANZBACH gebunden. Den gibt‘s leider nicht zum Schnäppchenpreis, er lohnt in diesem Rundum-Wohlfühl-Refugium aber jeden Euro.

 

Das Kranzbach, Kranzbach 1, 82494 Krün bei Garmisch-Partenkirchen, Tel.: 08823/928000, www.daskranzbach.de

Zwei Mal die Woche (Salsa-)Tanzen sollte es für mich zum Wohlfühlen sein. Es könnten aber noch weitere Termine dazu kommen. „Münchner Tanzboden“ heißt eine Veranstaltungsreihe des städtischen Kulturreferats. In seinem Auftrag beweist Katharina Mayer in Hofbräuhaus, wie bunt und lebendig Volkskultur sein kann. Egal ob Walzer, Zwiefacher oder Polka – unter Anleitung der unkonventionellen und mitreißend gelaunten Tanzmeisterin können auch Ungeübte problemlos mitmachen; Bayerische (Blas-)Musikanten liefern live dazu den Rhythmus, bei dem jeder mit muss. Dirndl und Lederhose sind gute Begleiter, aber keinerlei Kleiderzwang. Für traditionelle Anlässe wie den Kathreintanz am 24.11. oder den berühmten Kocherlball jedes Jahr Mitte Juli gibt es eigene Vorbereitungskurse. Aber es geht auch ohne ganz nach dem Motto: Kommen, ausprobieren, Spaß haben!

Homepage Katharina Mayer: www.tanzart.eu

www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kulturreferat/Volkskultur.html

 

Vorne die Frauenkirche, dahinter die Alpen: Dieses Postkartenmotiv von München ist keine Fotomontage, sondern bei klarem Wetter ein normaler Anblick. Noch besser hat man die komplette Stadtsilhouette samt Bergen mit etwas mehr Abstand vor Augen. Und zwar als Breitwandpanorama vom Vorplatz des Dachauer Schlosses, das auf einem Hügel oberhalb des hübschen Städtchens thront. Im oberen Stock des barocken Baus gibt es regelmäßig Konzerte, im Erdgeschoss ein Café Restaurant mit köstlichen Kuchen, Törtchen und Tartes aus der eigenen Konditorei. Bei schönem Wetter schmecken die zu Cappuccino auf der Terrasse, bei kühleren Temperaturen im geschmackvoll gestylten Innensaal. Unbedingt einen Abstecher wert ist der Hofgarten: Im Frühling blühen hier alte Apfelbäume, im Herbst tragen diese dicke Früchte. Geheimtipp ist jedes Jahr Ende Juli das Barock-Picknick mit bunten Lampions, Kandelabern und klassischen Klängen. Ein Sommernachtstraum!

 

Schloss Dachau Café Restaurant, Schlossstrasse 2, 85221 Dachau, Tel. 08131/2607818, www.schlossdachau.com

Das Oktoberfest ist für Münchner jedes Jahr Fluch und Segen zugleich. Zumindest ein Besuch ist Must, wegen der Menschenmassen aber nicht immer ein Vergnügen. Angenehmer als das Gedränge in der Wirtsbudenstraße ist der Weg durch die Schaustellerstrasse vorbei am Schichtl mit seinem Dauerfeuer an schrägen Sprüchen und Typen sowie dem Toboggan, das mit seinem old fashioned Förderband Benutzer mit Selbstüberschätzung zu Fall bringt. Zwischen Riesenrad und Bavaria wartet dann auf der Oidn Wiesn eine nostalgische Welt für sich: Sie kostet zwar drei Euro Eintritt, doch das hält Touristen mit Billig-Trachten und peinlichen Kopfbedeckungen fern. Auf dem Gelände gibt es im Herzkasperlzelt ehrliche Live-Volksmusik statt Wiesnhits, Nervenkitzel bei coolen Steilwandfahrern im Motodrom und Höhenflüge auf dem Kettenkarussel oder der Schiffsschaukel, die nur einen Euro kosten. Kinder haben ihren Spaß beim Basteln oder auf Radeln im Historischen Velodrom im Museumszelt. Links vom Ausgang wartet ein letztes Wiesn-Highlight, bei dem Männer – nicht nur erfolgreich – ihre Muskeln spielen lassen: Hau den Lukas!

Oide Wiesn, Theresienwiese, München

Die Anfahrt – egal ob mit dem Auto oder Rad – ist holprig und staubig. Trotzdem lohnt der Weg vom istrischen Urlaubsörtchen Premantura zum Kap Kamenjak jeden Kilometer. Die zerklüftete Küste des Naturschutzgebiets säumen nämlich nicht nur unterschiedlichste Buchten mit Kieselstränden. Anlaufstelle kurz vor der Südspitze der Halbinsel ist außerdem die Safari Bar. Zwischen meterhohem Schilf und Bambus versteckt sie sich als Mischung aus selbstgezimmertem Open Air Lokal mit schattigen Holzsitzgruppen und surrealem Spielplatz für große und kleine Gäste. Selbst Erwachsene fühlen sich auf der überdimensionalen Schaukel wie Alice im Wunderland. Ganz oben auf ihr erhascht man einen Blick aufs Meer. Noch weiter geht der vom Aussichtsturm, den Robinson Crusoe gebaut haben könnte. Wer ihn über die knarzende Leiter besteigt, braucht Überwindung. Noch mehr davon ist beim Sprung von den Klippen unterhalb der Safari Bar ins kristallklare Wasser gefragt. Nicht umsonst gilt diese Stelle ein unkonventioneller Kult-Ort – zum Chillen bei Sangria und hausgemachter Limonade oder mit Adrenalin-Kicks.

Safari Bar, Rt. Kamenjak, 52100 Premantura

Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus in der Ortsmitte von Oberhundem stammt aus dem 18. Jahrhundert; seit mehr als 100 Jahre dient es als Gasthof Zu den Linden. Bis heute treffen sich Dorfbewohner am Stammtisch in der urigen Schankstube; Wanderer, die auf dem Rothaarsteig unterwegs sind, übernachten genauso in zehn Zimmern und zwei Ferienwohnungen wie Motorradfahrer auf Tour oder Stammgäste, die im Land der 1000 Berge urlauben; abends lassen sie sich Hausmacher Kost wie Rinder-Rouladen oder Dicke Bohnen mit Bauenmettwurst schmecken. Mit neuen Ideen bereichern Aferdita Greitemann und ihr Mann den Traditionsbetrieb seit 2017. In den Garten haben sie zwei Baumhäuser stellen lassen, die so heißen wie ihre Töchter: Emma und Eliza. Beide Bauen stehen auf Stelzen, sind auf zwei Ebenen 50 Quadratmeter groß und von den Innen- und Außen-Wänden bis zu den Möbeln aus unterschiedlichen Holzarten. Entsprechend gut duften Wohnzimmer, zwei Schlafräume und sogar das Bad nach Wald; pfiffige Details sind schräg einsetzte Fenster oder ein schwenkbarer Esstisch. Tradition trifft Gegenwart in familiärer Wohlfühlatmosphäre.

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Zu den Linden, Hauptstrasse 15, 57399 Kirchhundem-Oberhundem, Tel. 02723/72625, www.gasthof-zu-den-linden.de

Ursprünglich angelegt wurde er ab 1613 für den bayerischen Hochadel, der hier unter seinesgleichen lustwandelte. Mittlerweile ist der Hofgarten zum Glück Münchner Allgemeingut. Auf den breiten Sandwegen treffen sich Boulespieler und verbreiten mit dem Klick-Klack ihrer Kugeln französisches Flair. Tiefenentspannt sitzt (am bequemsten auf den Sofas), spricht und sinniert man daneben im Biergarten des Tambosi, das nach Besitzerwechsel zur In-Adresse avanciert. Sich zeigen und umschauen wird bei einem Cocktail, zwei oder drei auf der Terrasse des Schumann's groß geschrieben. Ab 20 Uhr dient der Fliesenboden des Dianatempels in der Mitte der barocken Gartenanlage besonderen Zwecken: Unter seiner hohen Kuppel trifft sich an Sommerabenden mit mindestens 20 °C die Salsa-, Tango- und Swingszene. Getränke gibt's bei den halblegalen Veranstaltungen keine zu kaufen und die Musik des selbsternannten DJs könnte lauter sein. Doch alle Nachteile der Location macht das Ambiente von annodazumal wett, dass Tanzpaare beflügelt und die Handykameras staunender Touristen heißlaufen lässt. Let's dance.

Hofgarten, Hofgartenstrasse 1, 80539 München, www.schloesser.bayern.de/deutsch/garten/objekte/mu_hofg.htm

Sommer, Sonne und See gehören in Oberbayern zusammen wie Bier, Brezn und Obadza. Lieblingsort für alles zusammen sind Biergärten. Einige davon sind nicht nur in den warmen Monaten geöffnet, sondern rund ums Jahr, also allzeit bereit, sobald es nicht regnet, schneit und die Temperaturen über Gänsehaut-Level liegen. Einer Prachtexemplar dieser Art ist der "Alpenblick" in Uffing: Direkt am Ufer des Staffelsees gruppieren sich Sitzgruppen auf einer Wiese sowie Holzterrasse. Getränke und Essen vom Wurstsalat über Steckerlfisch bis zu Rosmarinkartoffeln mit Kräuterquark und Salat gibt es an Ständen nach der Devise "Je besser das Wetter, desto größer das Angebot." Gratis dazu gibt's eine umwerfende Aussicht über den Staffelsee samt Inseln auf fein gezackte Berggipfeln am Horizont. Hingucker der kuriosen Art ist ein ständiger, kleiner Flohmarkt: In zwei Holzregalen haben Gäste die Qual der Wahl zwischen LPs mit Hammond Orgel-Musik aus den 1970ern, ausrangiertem Oma-Geschirr und Bilderrahmen von annodazumal; der Preis wird selbst bestimmt und für einen guten Zweck in eine Kiste gespendet. Persönlicher Besuchs-Rekord war ein 1. Weihnachtstag. Statt Glühwein unterm Christbaum gab's bei blitzblauem Föhn-Himmel ein kühles Radler. Oans, zwoa, gsuffa...

Seerestaurant Alpenblick, Kirchtalstr. 30, 82449 Uffing am Staffelsee, www.seerestaurant-alpenblick.de